Fujifilm X-T1 Vorschau

Fujifilm X-T1 Testbericht

Verfasst von: Alex | Abgelegt in: Testberichte & Reportagen

Auf den ersten Blick wirkt die X-T1 wie eine Spiegelreflexkamera. Dies liegt nicht nur an der Gehäuseform und dem rechtsseitigen Handgriff, sondern auch daran, dass der elektronische Sucher nicht links, wie noch bei der Fujifilm X-E2 und der Fujifilm X100S platziert ist, sondern gehäusemittig angebracht ist.

Verarbeitung
Sofort fällt die hervorragende Verarbeitungsqualität des Gehäuses der Fujifilm X-T1 auf. Der hochwertig gummierte Handgriff ist ergonomisch geformt und herausgearbeitet. Er fasst sich schön an und wirkt keinesfalls billig. Auch nach längerer Bedienung am Stück mit feuchten Fingern ist die Gummibeschichtung nicht klebrig. Das Gehäuse ist spritzwassergeschützt und liegt damit mit professionellen DSLRs gleichauf. Allerdings gibt es zu Zeit noch kein Objektiv, das spritzwassergeschützt ist.

Das Gehäuse der X-T1 wiegt gut 400 Gramm und damit weniger als halb so viel, wie die Nikon D800. Die Kamera liegt trotz ihrer gegenüber einer professionellen DSLR deutlich kleineren Größe hervorragend in der Hand und lässt sich auch über längere Zeiträume bequem nutzen. Allerdings fällt auf, dass die Kamera bei Nutzung des 18-55mm Kit-Objektivs frontlastig ist. Das ist an der Grenze des noch gut Handhabbaren und Tolerablen, wenn man keinen Kameragurt nutz und die X-T1 ständig in der Hand trägt. Wer einen Kameragurt nutzt, für den wird dies eher unwichtig sein.

Fujifilm X-T1 von oben

Knöpfe und Räder
Fotografen, die schnelle Einstellmöglichkeiten über Einstellräder und Knöpfe gegenüber einer Menüeinstellung bevorzugen, werden mit der X-T1 glücklich werden.
Das Gehäuse bietet auf der Oberseite 5 Einstellräder in 3 Gruppen. Alle sind leicht ablesbar und intuitiv positioniert. Links befindet sich das Einstellrad für die ISO-Empfindlichkeit und darunter nur seitlich ablesbar die Einstellungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Auslösemodi, wie Einzelbild, Serienbild und Belichtungsreihe. Rechts befinden die Einstellräder für die Belichtungszeit mit dem darunter angebrachten Rad für die Belichtungsmessung. Rechts außen befindet sich die in Belichtungskorrektur. Ebenfalls oben angebracht ist eine Videoaufnahmetaste sowie eine programmierbare Taste.
Das ISO-Einstellrad sowie das Zeitwahlrad sind über Druck-Sperrknöpfe gegen versehentliches Verstellen geschützt. Das ISO-Rad rastet bei jedem Schritt ein. Das Zeitwahlrad nur in der Automatik-Stellung.

Bedienkonzept
Das Bedienkonzept der Einstellräder ist ein hervorragender Kompromiss zischen manueller und automatische Bedienung. Jedes Einstellrad kann entweder manuell auf den gewünschten Wert eingestellt werden. Wer dies nicht will, kann das entsprechende Rad auf „A“ einstellen und damit den Automatik-Modus aktivieren. Die ISO-Automatik lässt sich über das Menü noch weiter einstellen. Dort können eine Standardempfindlichkeit sowie eine ISO-Obergrenze festgelegt werden. Außerdem kann man bestimmen, ab welcher minimalen Verschlusszeit die nächsthöhere ISO-Stufe gewählt wird. So ist man nicht einer gefühlt willkürlichen ISO-Automatik ausgeliefert.

Die Zeitvorwahl des Einstellrades reicht von 1/4000 Sekunde bis zu 1/1 Sekunde. Es gibt darüber hinaus auch einen BULB-Modus. Die Belichtungszeit lässt sich über das Einstellrad jeweils nur um den Faktor 2 einstellen (z.B. von 1/30 auf 1/60 Sekunde). Eine genauere Einstellung kann über das Einstellrad für den Zeigefinger an der Vorderseite getätigt werden. Das ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Man hat den Dreh dann aber schnell raus.

Die ISO-Empfindlichkeit über das Einstellrad kann nativ von ISO-200 bis 6400 geregelt werden. Zusätzlich gibt es eine LOW- und zwei HIGH-Einstellungen. Letztere können über das Menü auf ISO 12.800, 25.600 oder 51.200 programmiert werden können.
Die Belichtungskorrektur lässt sich in 1/3 EV-Werten von +3 bis -3 einstellen.
Vorn am Gehäuse befindet sich ein Wahlschalter, mit dem man den Fokusmodus auf Einzelautofokus, auf kontinuierlich oder auf manuell einstellen kann.

Insgesamt gibt es 6 programmierbare Tasten. Vier davon sind im Auswahlkreuz, eine Taste ist auf der Oberseite und eine weitere Taste auf der Gehäusevorderseite. Letzterer lässt sich praktisch für die Blendenvorschau nutzen. Natürlich kann man aber auch andere Funktionen programmieren.
Auf der Gehäuserückseite befinden sich insbesondere Tasten für AE-L (Belichtungsspeicher), AF-L (Fokusspeicher) und ein Schnellmenüzugriff.

Fujifilm X-T1 Einstellräder

Elektronischer Sucher (EVF)
Ein echtes Highlight der X-T1 ist ihr elektronischer Sucher. Dieser ist wirklich eine Wucht und hat mich absolut positiv überrascht, denn er kommt dem Sucher einer echten Vollformatkamera unglaublich nahe. Zunächst einmal ist dieser Sucher wirklich riesig. Der elektronische Sucher ist mit 2,4 Millionen Punkten extrem hochauflösend und hat ein klares Bild – einzelne Pixel sind kaum zu erkennen. Der Sucher ist wirklich ausgesprochen hell. Außerdem gibt es eine praktisch kaum mehr wahrnehmbare Verzögerung, wenn man die Kamera schwenkt. Dies gilt auch in Low-Light-Situationen.

Ein echter Vorteil eines elektronischen Suchers gegenüber dem Sucher einer DSLR ist, dass man bereits im Sucher erkennt, wie das Bild im Ergebnis belichtet wird. Man sieht also sofort, ob die dunklen Bereiche schwarz sind oder ob das Bild insgesamt über- oder unterbelichtet ist. Im Sucher werden zahlreiche wichtige Daten eingeblendet. Neben ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Blende werden auch eine Wasserwaage, ein Entfernungsmesser und ein Histogramm angezeigt. Schön ist dabei auch, dass sich die eingeblendeten Daten je nach Kameraausrichtung (Hoch-/Querformat) mitdrehen und so immer ablesbar sind.

Der große elektronische Sucher hat einen weiteren Vorteil. Wer manuell fokussiert, kann neben den Sucher einen vergrößerten Bildausschnitt anzeigen lassen, um besser scharf zu stellen.

Bildschirm
Die X-T1 bietet auch einen Bildschirm, der um 90 Grad nach oben und 45 Grad nach unten klappbar ist. Für Makroaufnahmen und spezielle Winkel ist dies ein Segen. Über eine Taste an der Seite des elektronischen Suchers kann eingestellt werden, ob der Bildschirm, der elektronische Sucher oder ein Sensor aktiviert wird, der automatisch vom Bildschirm auf den Sucher umstellt, wenn man sich mit dem Auge dem Sucher nähert. Die Umschaltung funktioniert gut und mit nur geringer Umschaltverzögerung.

Fujifilm X-T1 Rückseite

Autofokus
Die Autofokusgeschwindigkeit und Genauigkeit der X-T1 ist gut. Der zum Einsatz kommende Phasendetektor-Autofokus ist für den täglichen Einsatz absolut tauglich und es gibt eine nur geringe Auslöseverzögerung. Gerade im Bereich Street-Fotografie ist sie uneingeschränkt geeignet. Sie reicht auch aus, um spielende und tobende Kinder aus mittlerer Entfernung zu fotografieren. Bei sehr schnell bewegten Objektiven kommt die X-T1 jedoch an ihre Grenzen. Hier zeigt sich dann auch deutlich der Unterschied zu einer semiprofessionellen DSLR, deren Autofokusgeschwindigkeit (natürlich in Abhängigkeit vom eingesetzten Objektiv) eine gefühlte Lichtgeschwindigkeit aufweist. Für wen ein Hochgeschwindigkeits-Autofokus ein K.O.-Kriterium darstellt, der sollte zu einer professionellen DSLR greifen.

Die X-T1 bietet 49 wählbare Autofokus-Messfelder, die in 7 Reihen und 7 Spalten über den gesamten Bildbereich verteilt sind. Die Größe des Messfeldes kann mit dem Daumeneinstellrad variiert werden. Man kann also auch Objekte am Bildrand scharf stellen.

Manueller Fukus
Die X-T1 bietet auch gute Hilfsmittel für das manuelle Fokussieren. Ein Fokusassistent vergrößert den Bildausschnitt und stellt die Bildschärfe optisch überzeichnet dar. Wahlweise lässt sich auch ein digitales Schnittbild einblenden. Beides ist eher bei unbewegten Objekten nutzbar. Für die meisten dürfte es dennoch eher eine Spielerei sein, denn kaum jemand fotografiert außerhalb der Makro-Fotografie mit manuellem Fokus.

Fujifilm X-T1 Frontansicht

Bildqualität
Die X-T1 enthält den gleichen APSC-Sensor, wie die X-E2 und bietet 16 Megapixel. Das Rauschverhalten ist wirklich sehr gut. Wer mag kann die ISO-Empfindlichkeit bedenkenlos bis ISO 3.200 hochregeln. Auch Fotos bei ISO 6.400 sind noch nutzbar, weisen aber merkliches Rauschen auf.

Serienbildgeschwindigkeit
Die X-T1 fotografiert im Serienbildmodus mit 8 Bildern pro Sekunde. Das tatsächlich verhältnismäßig (sehr) schnell und für den Alltagsgebrauch mehr als ausreichend. Mit dieser Geschwindigkeit lassen sich auch Fotos von schnell bewegten Motiven in Einzelbildern einfangen. Im Test ließen sich 21 Serienfotos im RAW-Format machen, bis die Kamera kurz gestockt hat. Dabei wurde eine SanDisk Extreme SDHC 32GB Class 10 eingesetzt.

WLAN
Die X-T1 bietet serienmäßig eine WLAN-Funktion, die per Knopfdruck ein oder ausgeschaltet werden kann. Die Kamera kann dann mit einem Android- oder iOS-Gerät verbunden werden. Die X-T1 überträgt live die aktuelle Vorschau auf das Tablet bzw. Handy. Hier kann nicht nur der Auslöser betätigt werden, sondern es können auch Blende, ISO und Belichtungszeit per Funk festgelegt werden. Auch weitere Einstellungen können vorgenommen werden. Sehr praktisch ist, dass man per Druck auf den Touch-Bildschirm des Tablets den Autofokus auf den berührten Punkt aktivieren kann.

Timelapse
Im Menü findet sich der Punkt „Intervallaufnahme“. Dort kann ein Aufnahmeintervall und eine maximale Anzahl an Aufnahmen eingestellt werde. Anschließend kann man auch noch festlegen, wann die Intervallaufnahme starten soll. So lassen sich mit Bordmitteln die Aufnahmen für Timelapse-Videos erstellen.

Batterielaufzeit
Die Fujifilm X-T1 machte im Test mit einer Batterieladung gut 300 Fotos. Das ist vergleichsweise dünn. Durchschnittliche DSLRs machen locker doppelt so viele Fotos. Daher macht es gerade auf ausgedehnten Fotostreifzügen Sinn, 2 Ersatzakkus für die X-T1 dabei zu haben.

PreisBei Amazon kostet die Fujifilm X-T1 mit 18-55mm-Objektiv 1.590 Euro.
Der Fujifilm X-T1 Body ohne Objektiv kostet bei Amazon 1.199 Euro.

Fazit
Die Fujifilm X-T1 hat uns sehr gefallen. Sie ist eine ideale Kamera für ambitionierte Fotografen, denen eine Spiegelreflexkamera zu groß und zu klobig ist. Sie ist leichter als DSLRs, bietet aber eine hohe Verarbeitungs- und Bildqualität. Sie ist hervorragend zu bedienen und sehr transportabel. Das Bedienkonzept ist sehr gut durchdacht, es ist eine Freude, den elektronischen Sucher zu benutzen. Tatsächlich lässt sich kaum Negatives über die X-T1 berichten. Allein die geringe Batterielaufzeit stört etwas.

Ein Tipp für eine passende Tasche zur Fujifilm X-T1 ist die Thinktank Retrospective 5 Pinestone. Diese sieht nicht nur gut aus, sie ist auch hervorragend durchdacht und bietet einen sehr schnellen Zugriff auf die Kamera. Sie bietet genut Platz für die X-T1 plus notwendiges Zubehör.

 

Positiv
+ hervorragende Bildqualität
+ sehr gutes Rauschverhalten in dunkler Umgebung
+ hervorragende Gehäuseverarbeitung
+ wertige Haptik
+ hervorragender elektronischer Sucher
+ neigbarer Bildschirm
+ gut durchdachte Bedienung

Negativ
– geringe Batterielaufzeit
– mit Kit-Objektiv etwas frontlastig

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