Nikon Df

Nikon Df, DSLR im Retro-Design – Testbericht

Verfasst von: Alex | Abgelegt in: Testberichte & Reportagen

Die Nikon Df ist auf den ersten Blick genau das, was sich viele Foto-Enthusiasten lange gewünscht haben: eine wertige DSLR im klassischen Design mit analogen Einstellrädern und leistungsstarkem Sensor. Mit der Pure Photography-Werbekampagne hat die Nikon Df schon lange vor der Markteinführung ihren Weg auf die Wunschzettel vieler Fotografen gefunden. Geht das Konzept auf?

Das „Df“ in Nikon Df steht für „digital fusion“. Es soll anklingen, dass das Beste aus der digitalen und der Analogen Welt in einer Kamera verschmolzen worden ist. Optisch erinnert die Front der Kamera stark an die Nikon F3 aus den 1980er Jahren. Das Design wirkt eckiger, als man es von modernen DSLRs gewohnt ist. Auf der Oberseite finden sich vier sehr großzügig bemessene Einstellräder für ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Belichtungszeit sowie den Programmwahlmodus. Auch eine minimalistische LCD-Anzeige findet sich, auf der die Einstellungen für die Blenden- und Zeiteinstellung, die verbleibenden Bildzahl sowie den Akkustatus angezeigt werden. Man fühlt sich direkt 30 Jahre zurückversetzt. Dreht man die Kamera dagegen um und schaut auf die Rückseite, könnte man schwören, eine Nikon D800 vor sich zu haben. Man fragt sich, ob „Digital fusion“ vielleicht dafür stehen mag, dass Nikon die Front einer klassischen Kamera und die Rückseite einer modernen DSLR kombiniert hat.

Bedienung und Ergonomie

Die Einstellräder auf der Oberseite sind leicht ablesbar und intuitiv positioniert. Sie haben aber auch ihre Schattenseite. So sind sie mit einer Sicherung gegen versehentliches Verstellen ausgestattet. Zunächst muss man einen Knopf drücken, bevor man das Einstellrad drehen kann. Im Falle des Programmwählers muss man den Knopf nicht drücken, sondern ihn nach oben ziehen. Das wirkt zunächst verwirrend. Außerdem hat das Bedienkonzept den entscheidenden Nachteil, dass man die Wahlräder nicht einhändig bedienen kann. Auch ist eine Einstellung während man durch den Sucher schaut praktisch ausgeschlossen. Wer sich also schnell auf wechselnde Situationen einstellen muss, wird hier schnell frustriert sein.

Neben den Einstellrädern auf der Oberseite hat die Nikon Df noch Einstellräder für Daumen und Zeigefinger. Das Daumenrad auf der Rückseite, dient zur Einstellung der Belichtungszeit in 1/3-Blendenstufen. Vordere Zeigefingerrad liegt plan auf der Gehäusefront auf. Das macht sich optisch gut. Wenn man allerdings einmal probiert hat, dieses Rad zu bedienen, wird schnell klar, warum Nikon dieses Bedienkonzept seit Jahrzehnten zugunsten eines horizontal aus dem Gehäuse ragenden Rads aufgegeben hat. Um das Rad zu erreichen, muss man den Zeigefinger umständlich um das Gehäuse herumgreifen. Hier kann man die Blende einstellen oder eine andere Funktion programmieren.

Der Handgriff ist kleiner als bei anderen DSLRs dimensioniert und liegt weniger ergonomisch in der Hand, als man dies gewohnt ist. Damit bietet der Griff in der Hand weniger Halt und die Kamera wirkt bei längeren Fotoeinsätzen schwer. Mit 710 Gramm ohne Objektiv ist die Kamera ohnehin kein Leichtgewicht.

Auf der Unterseite findet sich neben dem Stativgewinde auch das Batteriefach, in dem ein kleiner EN-EL14a-Akku Raum findet und in dem sich ein Schacht für eine SD-Karte befindet. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass Nikon den sonst üblichen Docking-Stecker für einen optionalen Handgriff weggelassen hat. Damit ist ausgeschlossen, dass Nikon hier künftig einen Handgriff nachliefern wird.

Nikon Df Detailansicht

Technische Ausstattung

Das technische Highlight befindet sich im Inneren der Nikon Df. Der Sensor ist nämlich dem Nikon-Flaggschiff, der D4, entnommen. Er bietet zwar „nur“ eine Auflösung von 16 Megapixeln, jedoch ein unschlagbar gutes Rauschverhalten. Wer mag, kann Fotos bis ISO 25.600 (erweiterbar bis ISO 204.800) knipsen. Empfehlenswert ist das freilich nicht. Aber In der Praxis zeigt sich, dass das Bildrauschen im Bereich bis ISO 6.400 nicht störend ist. Fotos bis ISO 12.800 sind tatsächlich noch gut brauchbar.

Wohl um sich nicht noch High-End-Kunden abzugraben, hat Nikon in der Df das Autofokussystem der D610 verbaut. Damit hat man lediglich 39-Punktsensor mit 9 Kreuzsensoren. Die D800 hat 51. Das für sich genommen ist nicht tragisch. Viele fotografieren ohnehin nur mit dem mittleren Fokuspunkt. Leider deckt der Fokusbereich nur einen Bruchteil des Bildes ab. Bei der Autofokusgeschwindigkeit ergibt sich ein zwiespältiger Eindruck. Bei guten Lichtverhältnissen fokussiert die Df zügig und anstandslos. Bei schlechten Lichtverhältnissen sinkt die Geschwindigkeit drastisch ab und oft findet die Kamera keinen tauglichen Fokuspunkt. Hier rächt sich, dass Nikon das Autofokus-Hilfslicht, das man sonst in solchen Situationen einsetzen könnte, weggelassen hat.

Die Nikon Df fotografiert im Serienbildmodus mit 5,5 Bildern pro Sekunde. Das ist mittelmäßig, wird aber für die angedachte Zielgruppe kaum ein Ausschlusskriterium sein. Wer Sport- und Actionshootings macht, wird ohnehin zu einer anderen Kamera greifen. Die Verschlusszeiten der Kamera reichen von 1/4.000 bis 30 Sekunden. Außerdem gibt es einen Langzeitbelichtungsmodus.

Im Lieferumfang der Nikon Df findet sich standardmäßig ein 50mm f/1.8 Objektiv. Dieses Objektiv hat Nikon schon seit längerem im Angebot, jedoch wurde es äußerlich etwas an das Design der Nikon Df angepasst. Das Objektiv fühlt sich im Gegensatz zum Kamera-Body nicht ganz so wertig an. Optisch ist es jedoch ein gutes Objektiv, das qualitativ überzeugt. Es hat ein schönes, nicht-störendes Bokeh und ist offenblendig auch für Low-Light-Situationen gut geeignet. Gut so, denn einen eingebauten Blitz hat die Df nämlich nicht.

Die Nikon Df wirkt, als habe man sie nach 30 Jahren wieder aus dem Schrank geholt.

 

Alte Objektive

Ein weiteres Highlight der Nikon Df ist ihre Kompatibilität zu alten Objektiven. Die Df verfügt am Objektivgewinde über einen Blendenkupplungshebel. Mit diesem ist es möglich, auch nicht Ai-kompatible Nikon-Objektive aus der Zeit von vor 1977 zu nutzen. Bis auf ganz wenige exotische Ausnahmen können damit de facto alle Nikon F-Bajonett Objektive an der Df genutzt werden. Manch einer wird vielleicht noch das ein oder andere Schätzchen im Schrank haben, das so nun endlich wieder genutzt werden kann.

Der Betrieb alter Objektive funktioniert gut, mit einer Ausnahme. Objektive ohne Autofokus müssen nur nach Sicht manuell fokussiert werden. Das gestaltet sich nicht immer einfach. Zwar kann man den Liveview zur Hilfe nehmen und den Mittenbereich vergrößern. Das wiederum macht dann aber das Bedienkonzept kaputt. Praktisch gewesen wäre ein Schnittbildindikator, der bei manuellen Objektiven eine Hilfestellung beim Scharfstellen bietet.

Schnittstellen

Die Nikon Df verfügt über eine Schnittstelle für ein externes GPS oder einen Kabelfernauslöser. Ein Hotshoe für externe Blitze ist ebenfalls vorhanden. Ebenfalls vorhanden ist eine USB 2.0 Schnittstelle sowie ein Mini-HDMI-Anschluss. Wie bereits erwähnt, fehlt eine Schnittstelle zum Anschluss eines optionalen Batteriegriffs.

Nikon Df

Fazit

Das Bedienkonzept der Nikon Df ist auf den ersten Blick nicht ganz widerspruchsfrei und die Bedienung geht weniger schnell von der Hand als bei modernen DSLR-Bodies. Gelegentlich hat man das Gefühl mehr Handgriffe tätigen zu müssen, als notwendig, wie beispielsweise bei den gesicherten Einstellrädern auf der Oberseite. An anderer Stelle fragt man sich, ob Nikon das Retro-Konzept nicht stringenter hätte durchhalten sollen, beispielsweise durch Integration eines Schnittbildindikators.

Dies alles ist jedoch Kritik auf relativ hohem Niveau. Denn auf der anderen Seite zwingt die Kamera den Nutzer dazu, langsamer und bewusster zu fotografieren. Man überlegt sich zweimal, was man tun soll und wie man es realisieren kann. Unterm Strich macht man so bessere Fotos.

Außerdem macht die Bedienung Spaß. Ja, man eckt hier und da mal an. Ja, manchmal ärgert man sich etwas darüber, dass man den Zeigefinger unnatürlich verbiegen muss, um an das Einstellrad an der Gehäusevorderseite zu gelangen. Aber mal ehrlich – macht das nicht auch gerade mit den Reiz einer solchen Kamera aus? Alles in allem hat dem Rezensenten schon lange keine Kamera mehr so viel Spaß gemacht, wie die Nikon Df.

Preis

Die Nikon Df kostet derzeit bei Amazon ca. 2.600 Euro.

Positiv

+ grandiose Bildqualität
+ hervorragendes Rauschverhalten in dunkler Umgebung
+ funktioniert mit praktisch allen alten Nikon-Objektiven
+ hervorragende Gehäuseverarbeitung
+ sehr schönes Aussehen und wertige Haptik
+ intuitiv positionierte, große Einstellräder an der Oberseite

Negativ

– Autofokusgeschwindigkeit in Low-Light-Situationen dürftig
– manchmal ist die Bedienung umständlich
– Handgriff zu klein
– kleiner Autofokus-Bereich

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