Yongnuo YN-560 III Testbericht

Yongnuo YN-560 Mark III – Systemblitz mit integriertem Funkempfänger

Verfasst von: Alex | Abgelegt in: Testberichte & Reportagen

Unter Strobisten erfreut sich der manuelle Systemblitz Yongnuo YN-560 Mark III großer Beliebtheit. Kann ein Blitz, der weniger als ein Fünftel des Preises der Originalblitze kostet, etwas taugen? Wir haben uns das Gerät einmal genauer angeschaut.

Beweglicher Blitzkopf

Der Yongnuo YN-560 Mark III ist inzwischen die dritte Version der YN-560-Serie. In Größe und Aussehen ähnelt er auf den ersten Blick stark dem Nikon SB-900. Der YN-560 III hat einen beweglichen Kopf, der in fünf arretierbaren Stufen von steil nach oben bis hin zu frontal nach vorn verstellt werden kann. Der Blitzopf ist auch um 270° horizontal drehbar, nämlich 180° nach links und 90° nach rechts. Damit ist der Blitz nicht ganz so beweglich, wie der SB-900, welcher sich um 360° drehen lässt. Der Blitzkopf hat eine Zoomeinstellung, die sich im Bereich von 24-105mm bewegt. Damit lässt sich der Blitz für praktisch alle Situationen gut einsetzen.

Yongnuo YN-560 III - Testbericht

Helligkeit

Die Helligkeit und damit die Blitzreichweite wird in der Leitzahl ausgedrückt. Der maximale Abstand eines Objekts, das mit einem Blitz noch korrekt ausgeleuchtet werden kann, errechnet sich aus der Leitzahl geteilt durch die verwendete Blende. Je größer die Leitzahl, desto weiter entfernte Objekte kann ein Blitz also noch korrekt ausleuchten. Der YN-560 III weist eine mächtige Leitzahl von 58 gemessen bei ISO 100 und 105mm auf. Der Nikon SB-900/910 kommt bei gleichen Bedingungen lediglich auf eine Leitzahl von 49. Bei Blende 5,6 und ISO 100 könnte der YN-560 III  ein 10,4 Meter entferntes Objekt ausleuchten, während es der SB-900 nur auf 8,8 Meter brächte.

Ansteuerung

YN-560 III kann auf unterschiedliche Arten angesteuert werden. Man kann ihn als klassischen Aufsteckblitz nutzen, der direkt auf der Kamera montiert wird. Es ist auch möglich, den Blitz als Slave-Blitz optisch durch einen weiteren Blitz auslösen zu lassen, wobei man hier einstellen kann, dass ein etwaig ausgesendeter Vorblitz (Messblitz) ignoriert wird. Alle diese Betriebsarten funktionieren zuverlässig.

Das Highlight des YN-560 III ist allerdings der eingebaute Funkempfänger. Dieser ist kompatibel mit den ebenfalls von Yongnuo angebotenen Modellen RF-602 und RF-603. Der Vorteil eines Funkempfängers besteht darin, dass eine zuverlässige Auslösung nicht von optischen Barrieren beeinflusst wird. So kann man einen Blitz, dessen Sensor durch Equipment verdeckt oder der sich sogar im Nebenraum befindet, mit einem Funkempfänger zuverlässig auslösen. Es sind 16 Kanäle wählbar, so dass man sich auch mit anderen Fotografen in der näheren Umgebung nicht in die Quere kommen kann.

Yongnuo Fernauslöser RF-603N Nikon

Manueller Blitz

Der Yongnuo YN-560 III ist ein manueller Blitz. Das heißt, er bekommt von der Kamera keine Messwerte übermittelt. Die Stärke des Blitzes muss von Hand eingestellt werden. Die Vorstellung, den Blitz händisch zu regulieren wird manchen verschrecken. Woher soll man denn wissen, wie der Blitz eingestellt werden muss? Braucht man dazu einen teuren Belichtungsmesser?

Eine manuelle Steuerung ist in der Tat ein großer Nachteil, wenn es darum geht, auf die Schnelle Fotos außerhalb eines Studios zu machen. Will man beispielsweise Fotos von spielenden Kindern machen, wird man mit der Einstellung wahrscheinlich so lange brauchen, dass die Kinder schon längst ausgespielt haben. Hier empfiehlt sich dann in der Tat ein automatischer Blitz, wie der SB-900/910 von Nikon.

In einer (Heim-)Studioumgebung oder auch sonst in Innenräumen sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Hier ist eine manuelle Steuerung nicht von Nachteil, sondern sogar erwünscht! Das liegt daran, dass eine Ausleuchtung zuverlässiger funktioniert und nicht von eventuellen Messfehlern oder Messtoleranzen der Kamera abhängig ist. Mit einer manuellen Steuerung kann man sehr konsistente Belichtungsergebnisse erzielen.

Wie stellt man seine Kamera am besten ein?

Man braucht auch keinen Belichtungsmesser, um schnell gute Ergebnisse zu erzielen. Als Faustregel gilt Folgendes. Die Kamera in den manuellen Modus (“M”) schalten. Eine Belichtungszeit von 1/160 Sekunde vorgeben. Die Blende so einstellen, dass kein Umgebungslicht mehr auf dem Bild zu sehen ist, das Bild also schwarz ist. Erst wenn das erreicht ist, wird der Blitz eingeschaltet und die Blitzenergie so reguliert, bis das gewünschte Belichtungsergebnis erzielt wird.

Hier ist nur wenig Übung nötig, bis man den Dreh raus hat. Die Einstellung dauert dann unter normalen Umständen insgesamt vielleicht ein bis zwei Minuten. Ob das Bild über- oder unterbelichtet ist, kann man einfach auf dem Kameradisplay sehen und ggf. das Histogramm zur Hilfe nehmen. Das ist alles weniger dramatisch als es zunächst scheint und auch überhaupt nicht “abenteuerlich”. Wer sich einmal mit manueller Belichtung auseinanergesetzt hat, wird in Studioumgebungen kaum wieder darauf verzichten wollen.

Display

Die Einstellungen kann man mittels unterhalb des Displays angeordneter Knöpfe vornehmen und der aktuelle Status wird auf dem Display angezeigt. Das Display ist übersichtlich gestaltet und frontal ebenso wie seitlich gut abzulesen. Schaltet man die Displaybeleuchtung hinzu, ist das Display von oben herab allerdings nicht mehr ablesbar.

Yongnuo YN-560 III, Display

Einstellungen

Die Blitzleistung kann in Drittelstufen zwischen 1/128 und 1/1 Leistung reguliert werden. Insgesamt gibt es also 22 Helligkeitsstufen. Diese sind über das Fadenkreuz wählbar. Mit links und rechts ist die Blitzleistung jeweils halbier- oder verdoppelbar (z.B. von 1/8 auf 1/4). Mit den Tasten oben und unten sind die 1/3-Stufen wählbar (z.B. von 1/16 auf 1/16 +1/3 Stufe). Das geht mit Blick auf das Display völlig problemlos. Hängt der Blitz allerdings in über 2 Meter Höhe, kann man das Display nicht ablesen. Dann sollte man den Blitz entweder zur Regulierung herunterholen oder die Einstellungen blind mit Bedacht vornehmen.

Auch die sonstigen Einstellungen sind leicht vorzunehmen. Die Beschriftung ist im Wesentlichen selbsterklärend.

Zuverlässigkeit

Der YN-560 III funktioniert anstandslos und zuverlässig. Ausfälle gab es keine. Die Recycle-Zeit bei voller Blitzleistung (1/1) liegt bei 3 Sekunden. Zum Vergleich: beim SB-900 liegt sie bei 4 Sekunden.

Der Blitz wird mit 4 AA-Batterien/Akkus betrieben. Im Test haben wir Eneloop-Akkus benutzt und damit gute Erfahrungen gemacht. Die Laufzeit ist gut, ohne dass wir die Anzahl der Blitze gemessen hätten, was wegen der unterschiedlichen verwendeten Blitzstärken auch wenig aussagekräftig wäre. Man tut dennoch gut daran, ein oder zwei Sätze Ersatzakkus auf längere Einsätze mitzunehmen.

Yongnuo YN-560 III, schräg vorn mit Reflektor

Ausstattung und Lieferumfang

Im Blitzkopf befindet sich eine Weitwinkel-Streuscheibe sowie eine weiße ausziehbare Karte für das Setzen von Catchlights.

Im Lieferumfang ist neben dem Blitz auch eine Bedienungsanleitung, ein Standfuß sowie eine Aufbewahrungstasche. Alles macht einen soliden Eindruck.  Ein abnehmbarer Diffusor ist leider nicht dabei.

Verarbeitungsqualität

Der Yongnuo YN-560 III ist gut verarbeitet, kommt allerdings an die Qualität des Nikon SB-900/910 nicht heran. Das muss er aber auch gar nicht. Der Blitz macht einen soliden und stabilen Eindruck und muss nicht mit Fingerspitzen angefasst werden. Nichts an ihm ist klapprig oder lässt befürchten, dass er auseinanderfallen würde, wenn man ihn schief anguckt.

Preis

Der Preis des Yongnuo YN-560 III liegt bei äußerst günstigen 65-75 Euro bei Amazon.

Die Funksender für Nikon-Kameras, die auch als Empfänger für andere Biltze genutzt werden können, kosten im Doppelpack für Canon (Yongnuo RF-603/C1) ebenso wie für Nikon (Yongnuo RF-603 N) jeweils im Doppelpack bei ca. 26-31 Euro

Fazit

Der Yongnuo YN-560 III ist ein sehr guter manuell einstellbarer Systemblitz. Er überzeugt durch Verarbeitungsqualität, Zuverlässigkeit und Ausstattung. Der integrierte Funkempfänger ist sehr praktisch. Wirklich unschlagbar ist der günstige Preis. Man bekommt zu einem winzigen Bruchteil der Preise von Canon oder Nikon einen hochwertigen Blitz, der sich optimal für den Studioeinsatz eignet.

Weniger geeignet ist der Yongnuo YN-560 III dagegen für dynamische Situationen außerhalb geschlossener Räume. Wer spielende Kinder oder Ähnliches fotografieren will, sollte eher ein automatisches Blitzsystem wählen (z.B. Nikon SB-910 oder Canon 600EX-RT). Wer sich dagegen eine günstige Studioausrüstung aufbauen oder eine bestehende Ausrüstung erweitern will, ist hier wirklich gut aufgehoben. Auch in Verbindung mit den entsprechenden Sendern für die Kameras eine ganz klare Kaufempfehlung!

Amazon-Links:

Ein Kommentar

  1. Wie hier sehr gut beschrieben – eine klare Kaufempfehlung für Hobby- und Profifotografen. Das manuelle Einstellen sollte wirklich keinen abschrecken – macht es doch gerade den Reiz aus bei der Gestaltung seiner eigenen Ideen – ob es sich dabei nun um Produktfotografie oder Portrait- / Modefotografie handelt. Ich war etwas skeptisch, was die Verarbeitung angeht. Allerdings ist dieses bei diesem Produkt wirklich unbegründet!

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